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Geschichte

Unsere Geschichte im Wandel der Zeit

„Der alte Brauch wird nicht gebrochen, hier können Familien Kaffee kochen“

Kaffeewasser am Plänterwald um 1905

Unsere Kleingartenanlage hat Wurzeln die bis in das letzte Jahrhundert zurückreichen. Um 1900 nutzen viele Arbeiter den Garten als Wohnsitz, um in Berlin Fuß zu fassen, um die Arbeit zu sichern. Für viele Arbeiter war es die einzige Möglichkeit, sich mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen. Darüber hinaus bot die Kleingartenanlage in ihrer Gemeinschaft sozialen Rückhalt.

Der Kuhgraben

Die damaligen Kolonisten hatten es schwer, das sumpfige Gelände urbar zu machen. Durch das Gelände zog sich vom Karpfenteich aus der Heidekampgraben, auch „Kuhgraben“ genannt, weil am Ufer des Grabens Kühe weideten. Die Frauen wuschen ihre Wäsche , Kinder badeten und spielten darin. Das Gelände wurde allmählich aufgeschüttet, um die geplante Bebauung am Treptower Park fortzusetzen.

Treptows Ruh III

1903 entstand unsere Kolonie „ Treptows Ruh III“ auf Initiative der Pflanzervereine. Die Kleingartenverpachtung wurde vom Reichsverband der Kleingartenvereine – Bezirksverband Neukölln-Treptow organisiert.

1. und 2. Weltkrieg – Versorgung und Unterschlupf

1914 begann der 1. Weltkrieg. Die Männer wurden als Soldaten eingezogen, die Frauen nutzen die Gärten, um ihre Familien zu versorgen.

1924 errichtete Familie Krüger eine Gärtnerei auf unserem Gelände. Nachweisliche Dokumente belegen, dass Ende der dreißiger Jahre die Verpachtung unserer Gärten durch die Kleingärtner Vereinsgruppe Treptow Mitte der Stadtgruppe Süden erfolgte.

Während des zweiten Weltkrieges wurden einige Lauben als Ausweichquartier für ausgebombte Familien genutzt. Auch einem jüdischen Ehepaar wurde Unterschlupf gewährt, so dass sie vor den Nazis gerettet wurden.

Die Zeit in der DDR

1949 erfolgte die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. In der Leiblstraße musste die in den vierziger Jahren errichtete Kleingartenanlage zum Ende der fünfziger Jahre den neu errichteten Wohnhäusern weichen. 14 sogenannte „A“- Parzellen übernahm unsere Kolonie. Neben unserer Kolonie befand sich der ehemalige Straßenbahnhof der Linie 93 und daran anschließend die Kleingartenanlage „Blumenfreunde“. Diese war 1955 durch den Bau der S-Bahn-Station „Plänterwald“ stark betroffen. Elf Gärten, die von dieser Anlage übrig blieben, wurden der KGA Treptows Ruh zugewiesen.

Auf dem Gelände des Straßenbahnhofs, der durch den Krieg zerstört wurde, entstanden Garagen. Die Verwüstungen des Krieges betrafen die ganze Anlage. Mit unermüdlichem Fleiß beseitigten unsere Gartenmitglieder die Überreste des Krieges und nutzen jeden Flecken für den Anbau von Obst, Gemüse und Tabak. Hasen und Hühner wurden gehalten. Der Anschluss an die elektrische Stromversorgung und an das städtische Wasserleitungsnetz erfolgte.

Kleintierzucht

1959 wurde der „Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK)“ gegründet, der als Verpächter unserer Kolonie fungierte.

1961 erfolgte der Bau der Mauer, in deren Folge 40 Westberliner Familien ihre Parzelle aufgeben mussten.

1968 schloss die Gärtnerei Krüger. Auf dem Gelände wurden 28 neue Parzellen errichtet. Somit umfasste die Kolonie 165 Parzellen. An der Stelle, wo das alte Heizhaus stand, bauten 1974 die Kolonisten eine Kantine.

Altes Heizhaus

1981/82 wurde in Gemeinschaftsarbeit das Wasserleitungsnetz rekonstruiert.

Staatlich anerkanntes Naherholungsgebiet

1983 wurde unsere Kleingartenanlage „staatlich anerkanntes Naherholungsgebiet“.

Im Zuge dessen hat sich das Bild der Anlage wesentlich verändert. Viele Schuppen und alte Lauben mussten bequemeren Baulichkeiten Platz machen. Der Ertrag pro Garten und Kleingartenanlage wurden u. a. zum Gradmesser im “Sozialistischen Wettbewerb“.

Zeitungsausschnitt BZA

Umzug zum Sommerfest 1983

Da die Vereinskantine den Ansprüchen nicht mehr gerecht wurde errichteten die Gartenfreunde von 1985 bis 1987 ein neues Spartenheim. Die Vereinskantine spielt bis heute eine zentrale Rolle in unserer Kolonie.

Alte Kantine

Ausbau des Vereinsheimes

Mauerfall 1989

Mit dem Fall der Mauer 1989 und dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland veränderten sich erneut die politischen Verhältnisse und die damit verbundenen Rahmenbedingungen für die Kleingartenpächter. Nunmehr gilt das Bundeskleingartengesetz und die Verpachtung erfolgt durch den Bezirksverband der Gartenfreunde Treptow e.V. Unsere Gartenfreunde kämpften mit vielen persönlichen Problemen, die im Zeichen der Existenzsicherung standen, so dass der Gemeinschaftssinn zum Teil verloren ging. Nach mehrmaligem Vorstandswechsel ist nunmehr seit mehreren Jahren die Vereinsarbeit von Kontinuität und Stabilität geprägt.

Vereinseintrag und zahlreiche Baumaßnahmen

Am 19. Mai 2001 beschlossen die Gartenfreunde die Gründung und die Satzung eines juristisch selbständigen eingetragenen Vereins. Leider konnten wir keinen Nachweis führen, dass der Verein tatsächlich 1903 gegründet worden ist. Somit wurde die Jahreszahl, als Zusatz zum Namen „Treptows Ruh 1903 e.V.“ , durch das Amtsgericht Charlottenburg bei der Eintragung des Vereins nicht bestätigt.

In den letzten 10 Jahren wurden zahlreiche Baumaßnahmen zur Verschönerung unserer Kolonie durchgeführt. So entstanden neue Vereinschuppen, es entstand eine zentrale Müll- und Kompostieranlage und die Freiluftleitungen der Elektroenergieversorgung wurden durch eine umfassende unterirdische Verkabelung ersetzt. Die Beleuchtungsanlage wurde erneuert und die Kantine umgebaut. Die Wasserleitungen wurden im Laufe der Jahre allesamt durch PVC-Rohr ersetzt.

Anstelle des Spielplatzes entstand ein Biotop. Das Bild der Kleingartenanlage ist heute geprägt von einem Gemisch aller sozialer Schichten. Die älteste Gartenpächterin ist 93 Jahre und seit 1955 auf der Anlage. In den letzten Jahren haben sich auch viele junge Familien hier einen Garten genommen. Insgesamt fühlen sich hier in der Oase der Großstadt alle wohl.